Fotografieausstellung

Stadtporträt

Ullrich Kneise

 

1.April bis 6. Juni 2006

Fotografiegalerie Bohl e.V.

Karlstraße 32 - Wartburgstadt Eisenach 

 

 

 

Eine Langzeitprojekt der :

Wartburgstadt Eisenach

Eisenacher Geschichtsverein e.V.

Ullrich Kneise

 

Ullrich Kneise zu seiner Ausstellung

Meine Heimatstadt Eisenach ist mein Thema. Vor mehr als 25 Jahren begann ich hier ernsthaft zu fotografieren. Hier habe ich damit begonnen, die Kamera auf Umstände zu richten,  die wir schaffen und am Ende  aushalten müssen. Um zu beschreiben, was wir späterdings wohl Geschichte nennen werden, blicke ich immer wieder auf scheinbar Vertrautes. Ich suche mit der Kamera Plätze auf, die mir Heimat bedeuten. Mit der Zeit sind darunter zahlreiche Orte gewesener Realitäten. Was sich mit ihnen verbindet, hat oft nur auf meinen Fotos überdauert. Um  die politische Wende im Osten  ging es mir dabei weniger. Sie war nicht abzusehen, als ich zu fotografieren begann. Es ging um Fragen zur gesellschaftlichen Wirklichkeit, die ich mir aus eigener Anschauung beantworten wollte. 

Das Ende der Volkseigenen Betriebe wie des  Automobilwerkes Eisenach, der Kammgarnspinnerei, der Schnellwaagenfabrik, von Fahrzeugelektrik Ruhla, der Lakufa-Lackfabrik, das Aus für Spezima-Anlagenbau und   Handwerkliche Produktionsgenossenschaften wie  Wäscherei, Backwaren  oder  Polsterei “Wartburgstadt", für Hotels, Gaststätten und Kleingewerbe auch in privater Hand,  vollzog sich in wenigen Wochen vor meinen Augen  und direkt vor meiner Haustür. Zwangsläufig fehlt es in meinen Bildern nicht an Melancholie. Die Hoffnung auf Sicherheiten erwies sich als trügerisch.  Eine Erfahrung, die ich mit allen Ostdeutschen teile.  Auch Industrieansiedlungen wie die von Opel, Bosch und Anderen können nicht darüber hinwegtäuschen, was längst das Leben in  ganz Deutschland bestimmt:  die Arbeit verlässt uns!  

Wie als Fotograf  auf all das reagieren? Welche Bilder finde ich nun  jenseits von morbidem Scharm, süßer Schwermut und naiver Aufbruchstimmung? Kann ich ich mich  den geglätteten Oberflächen von heute  auf gleiche Weise nähern? Und kann es überhaupt manchmal  gelingen  den Zunder von morgen darunter sichtbar zu machen, oder besser noch,  was uns  immer noch auf den Beinen hält?  Die Serie großformatiger Porträts sind der  Versuch, Geschichten aus meiner Heimatstadt   zu erzählen,  ohne mich zu wiederholen.

©  Ulrich Kneise                                                                          

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