Fotografieausstellung

Rosemarie Clausen

Gestalten und Gesichter



 

 

 

Vom 15. bis 23. Juni 2007 in der Wartburgstadt Eisenach

   

"Das sich über ein halbes Jahrhundert erstreckende Werk gerade dieser Photographin hat die Theaterfotografie weithin zum Begriff gemacht. In zwei der bedeutendsten deutschen Theaterzentren, in Berlin und Hamburg, hat sie gearbeitet. Kaum einer der Großen der deutschen Schauspielkunst, den sie nicht photographiert hätte. Die meisten hat sie über Jahrzehnte in unterschiedlichen Rollen festgehalten und interpretiert. ... Ihre Bilder sind optisch gebannte Momente szenischer Dichtung, mit einem tiefen Gespür für die Ausdrucksfähigkeit menschlicher Mimik. Die Bedeutung ihrer Arbeiten geht weit über das Theater hinaus. Ihr Werk ist bisher kaum erschlossen. Ist dies einst der Fall, so wird sich zeigen, daß sie an den Bildfindungen unserer Zeit entscheidenden künstlerischen Anteil hatte."

(Rüdiger Joppien in ROSEMARIE CLAUSEN , INGEBORO SELLO Zwei Hamburger Photographinnen. Katalog zur Ausstellung im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, 1988. Siehe auch: Photographie des 20. Jahrhunderts, Museum Ludwig Köln, Köln u.a. 1996)

   
Selten sind im Metier der Theaterfotografie das Gespür für theatralischen Ausdruck, Dramen-Inhalte und die Beherrschung der entsprechenden fotografischen Technik eine glücklichere Verbindung eingegangen als bei Rosemarie Clausen. Unser Bild von Mephisto ist die Fotografie von Clausen. Sie und keine andere wollte der schwierig-geniale Theatermensch Gründgens als Theaterfotografin haben, als er 1955 von Düsseldorf nach Hamburg wechselte.
Bis 1976 war sie der fotografische Aktivposten der Hamburger Theaterszene: von Lippert über Gründgens, Oscar Fritz Schuh, Egon Monk, Hans Lietzau, Ivan Nagel bis Boy Gobert, der bei ihrem Berufsausstieg, 1976, klagte: "So gut werden wir nie wieder aussehen wie bei Ihnen". (Zeitprofile, DGPh 1988)


Sie hat die nachhaltig eindrucksvollsten Fotos einer ganzen Epoche deutscher Theaterkunst geschaffen.
Eigentlich wollte Rosemarie Clausen Porträtmalerin werden, begann dann aber eine Fotografenlehre, machte die Prüfung im Lette-Haus Berlin und war fünf Jahre bis 1933 bei der Theaterfotografin Elli Marcus tätig. Sie gründete ein eigenes Atelier in Berlin und spezialisierte sich auf die Theaterfotografie. 1936 fotografierte sie zum ersten Mal Gustaf Gründgens, der zwei Jahre zuvor das Staatliche Schauspielhaus am Gendarmenmarkt übernommen hatte, als Hamlet. Es sollte der Beginn einer schöpferischen Verbindung sein, die die Porträts und Szenenfotos der Clausen prägte. 1945 floh sie mit ihren drei Kindern nach Hamburg, wo sie sich eine neue Existenz aufbaute. Anläßlich der Uraufführung von Wolfgang Borcherts "Draußen vor der Tür" fotografierte sie den todkranken Schriftsteller. Ihre Bilder der legendären Faust-Inszenierung von Gustav Gründgens wurden weltbekannt. Ebenso wie jenes Beckett-Porträt von 1969, als der Autor kurz darauf den Literatur-Nobelpreis erhielt. Treffend beschrieb 1975 Henning Rischbieter die Fotografin in der Zeitschrift Theater heute, die eine Zeitlang ohne Clausen-Bilder gar nicht denkbar war: "Sie fotografieren nicht Schauspielerporträts, sondern Theaterfiguren, nicht Individuen, die sich verstellen, sondern dramatische Charaktere." (nach H.-E. Hess, Photo Technik International 2/90)

  
Die Ausstellung in der GAFF zeigt nicht nur die Fotografien von Rosemarie Clausen, die Theatergeschichte mit großen Inszenierungen und großen Schauspielern dokumentieren. Vielmehr versucht die Auswahl deutlich zu machen, in welcher besonderen Weise es der Fotografin in ihrem Werk gelungen ist, ein allgemeingültiges Bild des Menschen zu gestalten.
"Ich habe mich oft gefragt, warum Rosemarie Clausen so oft und so gern Schauspieler fotografiert hat. Ich denke, weil sie diese merkwürdige Mischung von Privatgesicht und Gesicht der Rolle, weil dieser Zwischenraum sie sehr gereizt hat. ... Es gibt einen wunderbaren Satz von Goethe aus dem Westöstlichen Diwan: "Niemand kann sich glücklich preisen, der des Doppelblicks ermangelt." Dieser Moment des Doppelblicks ist das Entscheidende. Dabei blickt das eine Auge scharf und unbestechlich genau, erblickt die Fakten, die vor ihm sind, die von dem Objekt ausgestrahlt werden. Und das andere Auge könnte, sollte, müßte eigentlich dann menschlich, verstehend, mitleidend, mitfreuend die Ergänzung dazu geben zu diesem harten und genauen Bild, das das Objekt gerade bietet. Ich glaube, daß Rosemarie Clausen in einem besonderen Maße diese Fähigkeit hatte, mit dem einen klaren Auge zu sehen, was da nun objektiv gerade vor ihr erschien, mit dem anderen Auge menschlich, mitfühlend, einfühlend, begreifend, spürend zu erleben, was in dem Menschen selber vorging. Ich glaube, das war das eigentliche Geheimnis ihrer seltsamen Fähigkeit, ihrer Portraitkunst.
Ich finde, daß es ein großes Verdienst des Veranstalters ist, daß er diese außerordentlichen Portraits, diese ganz seltsamen, wirklich tiefschürfenden, tieferblickenden, eben aus dem Doppelblick heraus tieferblickenden, Bilder hier ausgestellt hat."
(Will Quadflieg: Erinnerungen an Rosemarie Clausen, vorgetragen während der Eröffnung der GAFF - Ausstellung: Rosemarie Clausen: GESTALTEN UND GESICHTER am 14.09.1997)

1976 erhielt Rosemarie Clausen für ihre fotografische Leistung den Kulturpreis der Deutschen Gesellschaft für Photographie DGPh.

 

 

Lesung von Dr. Matthias Heber, Buchhandlung „Leselust“

zur Ausstellung: Theaterfotografie von Rosemarie Clausen - „Sein oder nicht Sein“ -Abgesang auf entbehrliche Künste

 

Sonntag, 24. Juni 2007, 18 Uhr  in der Fotografiegalerie

 

Thema: "Wenn wir uns nicht selbst befreien, bleibt es für uns ohne Folgen." ´

(Peter Weiss)

 

(Mit)Wirkende: Michael Brieske (Gesang) und Rainer Eichhorn (Klavier)

 

_____________________________________________________________________________________

© PHOTOSCHULE HORN